Heidi Börlin

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Atem und Geschichtliches

Schon vor 2000 Jahren hat der Atem in östlichen und westlichen Hochkulturen in der Gesundheitspflege, Bewusstseinsentwicklung und Lebensführung eine zentrale Rolle gespielt.

Zwischenzeitlich in den Hintergrund geraten, wurde vor gut 150 Jahren die Bedeutsamkeit des Atems für die Gesundheit wieder erkannt und gewann Form in verschiedenen atemorientierten Therapieverfahren. Kontinuierliche Weiterentwicklung der Atemtherapie, jahrelange Pionierarbeit im Bereich Komplementärtherapie und neuste wissenschaftliche Erkenntnisse der Wirksamkeit  brachten 2016 den Beruf Komplementärtherapeutin/-therapeut HF mit eidg. Diplom.

Atem und Atmung

Die Begriffe Atmung und Atem unterscheiden sich. Der anatomisch-physiologische lebenserhaltende Stoffwechselprozess wird Atmung genannt. Der Atem bezeichnet etwas weitaus Umfassenderes, er ist der Träger der Lebensenergie schlechthin und das Tor zu unserem Wesenskern und die Brücke zu unserem Unbewussten.

Atmung und Zelle

Die atmende Zelle! Letztendlich gelangt der Sauerstoff zu seiner Verwertung an sein Zielort die Zelle. Die Lunge ist Mittel zum Zweck, das Atmen findet so aus physiologischer Sicht im ganzen Körper statt.

Atem und Bauch- Beckenraum

Der wichtigste Atemmuskel, das Zwerchfell, eine doppelte Kuppel, trennt den Brustraum vom Bauchraum. Im Einatem senkt sich das Zwerchfell in den sich dabei weitenden Bauchraum, Rippen und Brustbein öffnen sanft den Herzraum.  Die sich dabei entspannenden Bauchmuskeln öffnen den Raum für die Organbewegung nach unten, diese wird vom Beckenboden aufgefangen. Im Ausatem schieben Beckenboden und Bauchmuskulatur die Organe wieder sanft nach oben. Das Zwerchfell hat dabei in seiner Entspannung eine Sogwirkung, die Rippen gleiten in ihre Ausgangsstellung zurück.

Die Haltungs- und Schlankheitsstrategie, in der die künstliche Anspannung der Bauchmuskeln propagiert wird, hat den grossen Nachteil, dass sie die Atmung blockiert. Verspannungen und Rückenprobleme sind längerfristig die Folgen.

 

Atem und Atemmuster

So sensibel wie ein Seismograph reagiert der Atem auf alle inneren und äusseren, bewussten und unbewussten Einflüsse. Das sogenannt „gewordene“ Atemmuster wird geformt durch die individuellen Erbanlagen, die ein Mensch ins Leben bringt, den entwicklungsfördernden und –hemmenden  Erfahrungen während Schwangerschaft/Geburt und in den frühen Lebensjahren.

Das „gewordene“ Atemmuster wirkt auf das aktuelle, situative Atemverhalten ein und interagiert  mit der körperlichen Befindlichkeit, dem Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen und der Lebensgestaltung. 

Atem und Körperhaltemuster

Das Atemmuster weisst somatische, psychologische, emotionale und spirituell-existentielle Ebenen auf. Es ist eng verwoben mit den körperlichen Haltemustern im Körper-Geist-System (Speicherung in verschiedenen Gegenden des Körpers von Erinnerungen an negative Erfahrungen und der Überzeugungen, Ängste und Reaktionen auf diese Erinnerungen).

 

Atem und vegetatives Nervensystem

Der Atem ist das vermittelnde Element zwischen den 3 Hirnarealen, dem Neocortex mit dem kognitiven Wissen, dem Mittelhirn mit der emotionalen Bewertung und Verwertung sowie dem Stammhirn mit den autonomen Grundfunktionen wie Atemsteuerung, Impulse und Ahnenspeicher. D.h. die zentrale Steuerung der Atmung geschieht im Atemzentrum (Medulla oblongata) Stammhirn. Das vegetative  Nervensystem reguliert bestimmte Prozesse im Körper wie z.B. Verdauung, Stoffwechsel, Blutdruck, Atemfrequenz. Störungen im vegetativen Nervensystem können sich auf jeden Teil des Körpers und jeden Vorgang auswirken. Der Atem bietet das Tor zur Regulierung des Nervensystems, z.B. mittels spezifischen Atem- und Körperübungen/-behandlungen.

 

Atem und  östliche Einflüsse

Der Atem wird aus den hinduistischen Lehren stammend im Yoga auch „Prana“ (Lebenskraft, universelle Lebensenergie) genannt oder in China und Japan  „Chi“, die Lebenskraft, die  über das Meridiansystem die Körpersysteme durchdringt und energetisch reguliert.

Atem und die Grundformen der Entwicklung

Die Kei-Raku-Lehre (Prof. Dr. med. V. Glaser) baut darauf auf, dass im Körper die Grundformen der Entwicklung und Bewegung angelegt sind, und dass diese durch Interaktion mit der Umwelt, als Bewegungs-, Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten zum Tragen kommen. Mit den atemorientierten, psychodynamischen Meridianbehandlungen/-bewegungsfolgen wird eine Balance der Qualitäten der sechs Grundformen angestrebt, die sich durch Spannungsregulierung der Muskelketten entlang der Meridianpaare einstellt.

Die Wirkung der Sondermeridiane oder Ausserordentlichen Gefässe der traditionellen chinesischen Medizin (Reservoire der Energie und Regulatoren des Energieflusses in den Meridianen) kommt in der Atemmassage und Atem- Akupressur-Behandlung zum Tragen.

Atem und Berühren

Berühren ist eine der elementarsten und natürlichsten Fähigkeiten. Aufgrund frühkindlicher Prägungen (vgl. z.B. „Atem und Atemmuster“) wird die spezifische Muskelelastizität der Hinwendung und infolgedessen eine „gute“ Berührungsqualität angenehm empfunden. Erst dies bewirkt, dass der Mensch im Berührtwerden sich zuwenden kann und sich Wohlspannung einstellen kann.  „Gutes“ Berühren ist Ausdruck der Begegnungsfähigkeit grundsätzlich, d.h. die Prinzipien „guten“ Berührens gelten über das Taktile hinaus für jede Form menschlicher Kommunikation.

 

 

Atem und Stimme

Der Mensch benötigt die Stimme um seinen inneren Impulsen Ausdruck zu geben. Die Körperinnenräume, Skelett, muskuläre Spannung beeinflussen die Qualität des Tones. Der Atem ist der Träger des Klanges, der Körper der Schwingungsraum, der Wesenskern gibt die Stimmfarbe.